Was tun bis zur 9. Edition?

Hallo zusammen!

Fred hier mit einem Artikel aus gegebenem Anlass: Die 9. Edition von Warhammer 40.000 wurde am Wochenende angekündigt und sie wird eine Menge Neuerungen mit sich bringen! Vergangene Erfahrungswerte aber auch Kaffeesatzleser und Warpreisende sagen Ende Juli als den Release-Termin voraus. Neben so wichtigen Fragen wie „Wie oft habt ihr den neusten Trailer schon gesehen?“ oder „Wer hat bitte diesen Grafiker eingestellt?“, steht für viele wahrscheinlich die folgende Frage im Raum:

„Wie geht es bis zum Release der 9. Edition mit kompetitivem 40k weiter?“

Lohnt es sich überhaupt bis Juli noch an der eigenen Armeelisten zu feilen, die entsprechenden Modelle zu bemalen oder den (TabletopSimulator) Turnieren zu folgen?

In diesem Artikel möchte meine Antwort auf diese Frage geben und darstellen, wie man als kompetitiver Spieler bzw. Spielerin die Übergangszeit bis zur nächsten Edition am besten nutzen kann.

Von Eugen facebook.com/abyssminiatures/

1. Antwort: Basteln und Malen!

Wir befinden uns nach wie vor in Zeiten wo durch Corona 40k Turniere – wenn überhaupt – online im TabletopSimulator ausgetragen werden. Die nächsten großen analogen 40k Turniere stehen erst im Oktober an. Die Motivation, sich in dieser Situation intensiv mit 40k zu beschäftigen, liegt bei einigen flach. Manche leiten dieses Motivationstief um und reduzieren ihre Berge grauer Plastikmodelle, den sogenannten „pile of shame“, oder geben endlich dem einen besonderen Charaktermodell, die Bemalung, die es schon lange verdient hat. Basteln und Malen ist auch für kompetitive 40k-Menschen eine gute Lösung, die Zeit bis zum Release zu überbrücken. (Die Engpässen bei Agrax Earthshade scheinen ja auch schon behoben zu sein.) Nun kann sich manch einer die Armee, die er oder sie vielleicht schon lange Spielen wollte, mal ohne Zeitstress aufbauen.

Aus kompetitiver Perspektive steht man hier vor gewissen Schwierigkeiten. Die Modelle, die man in einer Turnierarmee benötigt, könnten im Oktober, wenn die großen Turniere starten, wieder ganz andere sein. Schon mit den letzten Psychic Awakening Büchern haben sich die Regeln einzelner Armeen deutlich geändert und damit das „Meta“ trotz Corona in Bewegung gehalten. Man müsste schon ziemlich viele Modelle bemalen um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Der gemeine Turnierteilnehmende bemalt aber gewöhnlich gerne nur das, was auch den Turniertisch sehen wird. Da geht die Malmotivation angesichts der neuen Regelunsicherheit gleich wieder den Bach runter.

Von Florian

Schauen wir uns doch mal kurz an, was sich regeltechnisch zur 9. Edition ändern soll. Games Workshop hat angekündigt uns bis zum Release mit kleinen Regel-Häppchen bei der Stange zu halten. Aus der ersten Preview Ankündigung wissen wir Folgendes:

  • Alle Phasen des Spiels sollen überarbeitet werden.
  • Es wird mehrere Regelergänzungen geben, die im Stil der bisherigen Big FAQs daher kommen:
    1. „Tanks“, also wahrscheinlich Fahrzeuge ab einer bestimmten Größe, können im Nahkampf schießen und sind damit nicht mehr so anfällig dort abgebunden zu werden.
    2. Das letztes Jahr eingeführte Aircraft-Keyword wird überarbeitet. Flieger können (wie in vorherigen Editionen) das Spielfeld verlassen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder betreten.
    3. „Explosivwaffen“ werden als neue Waffengattung eingeführt. Sie erzielen gegen Einheiten mit vielen Modellen die maximale Anzahl möglicher Treffer und kommen damit dem Effekt der alten Schablonenwaffen nahe.
    4. Es gibt neue (alte?) Regeln für Reserven mit mehr Optionen Einheiten nicht in Runde 1 auf dem Spielfeld haben zu müssen.
  • Die Regeln für den Armeeaufbau werden sich stärker ändern. Scheinbar wird es Regeln und nicht nur Empfehlungen für den Armeeaufbau geben (endlich!). Außerdem wird die Art, wie man Befehlpunkte generiert geändert. Dies soll Armeen, die aus nur einer Fraktion bestehen, (keine „Suppe“ aus mehreren Detachments verschiedener Fraktionen) und elitäre Armeen begünstigen.
  • Als letzte bisher angekündigte Regeländerung kommt die dringend notwendige „Grunderneuerung“ der Geländeregeln. Neben dem mit der 8. Edition eingeführten Deckungsbonus soll es wieder Regeln für sichtblockierendes Gelände geben.
  • Games Workshop hat außerdem angekündigt, dass alle Regeln aus den Codizes und Kampagnenbüchern wie Vigilus Defiant oder Psychic Awakening weiterhin gültig sind und „funktionieren“ werden.

Nimmt man diese Liste, dann sieht die 9. Edition ganz klar wie eine Edition 8.5 aus. (In einem Q&A auf Twitch wurden inzwischen einige weiteren Fragen beantwortet. Diese ändern meine Einschätzung und die folgende Argumentation aber nicht.) Der erste Teil der obrigen Liste hätte auch problemlos in das März-FAQ gepasst. Der Armeeaufbau und die Befehlspunkte-Generierung wären auch ein Fall für das letzte Chapter Approved gewesen. Aber wollen wir uns hier nicht beschweren. Bisher klingen alle Änderungen sehr gut und adressieren die Probleme, die die kompetitive Szene umgetrieben haben. Gerade die Aussicht auf einen standardisierten Armeeaufbau (und Missionen?) lässt hoffen, dass wir mit der 9. Edition den Bruderkrieg zwischen „Book Missions“ und „ITC“ bald hinter uns haben.

Von Eugen facebook.com/abyssminiatures/

2. Antwort: Spielen!

Die 9. Edition könnte eine gute Erweiterung der gegenwärtigen sehr soliden Edition werden. Grund genug um auch mit den Regeln der 8. Edition fleißig weiter Warhammer zu spielen, oder? Zwei Punkte sind wichtig dafür, um zu beantworten, ob spielen eine gute Vorbereitung bis zum Release sein könnte:

Punkt 1: Vieles bleibt gleich!

Wir spielen in der neuen Edition immer noch dasselbe Spiel wie jetzt. Dass wir zum Editionsstart keine komplette Erneuerung der Codizes bekommen werden, wie es bei der 8. Edition der Fall war, heißt, dass die Datasheets, die Armeesonderregeln, die Stratagems und all die Syngerien und Kombos in der neuen Edition erhalten bleiben werden.

Ihr könnt die Zeit bis zum Release also weiterhin nutzen um euch mit eurer Armee und all ihren spielerischen Eigenarten vertraut zu machen. Es ist auch eine gute Gelegenheit mal eine andere Armee oder andere Auswahlen in der bestehenden Armee auszutesten. Weil es gerade nicht darum geht, am besten auf dem nächsten Turnier abzuschneiden, kann man aus der Komfortzone und dem akuten Wettbewerbsdruck heraus treten und Neues austesten. Training mit ausgewählten Spielpartnern ist langsam wieder eine virologisch einigermaßen vertretbare Option geworden. Durch die wachsende deutschsprachrige TabletopSimulator Szene findet ihr auch online Gegner, denen man sonst höchstens auf einem 6 Stunden entfernten Turnier begegnet wäre. Die aktuellen Turniere im TabletopSimulator ermöglichen euch, euer „Theory-Hammer“ der letzten Monate einem Stresstest zu unterziehen. Hier könnt ihr testen ob eure Armee, die während Corona höchstens dem Hausstaub trotzen musste, dem inzwischen weiter gewandelten Meta stand halten kann. Unabhängig davon, wie drastisch sich das Meta mit der 9. Edition ändern wird, die Armee, mit der ihr jetzt und bis zum Release spielt wird ziemlich ähnliche Optionen auf dem Spieltisch haben um diesem Meta zu begegnen.

Punkt 2: Vieles ändert sich!

Wir spielen in der neuen Edition in einem anderen „Turnier-Meta“ als jetzt. Die Armeelisten, die wir auf Turnieren antreffen und die, die wir selbst mitbringen, werden sich stark ändern. Kaum eine Armeeliste wird gleich bleiben.

Bei kompetitiven 40k kommt es häufig auf kleinste Regeldetails an. Bestes Beispiel dafür ist vielleicht der „neue Wiederholungswurf“ der Space Marines. Was vorher eine Sonderregel von Belisarius Cawl war, gut für bestimmte AdMech Konzepte, aber für das Turniermeta kaum relevant, wurde 2019 durch den neuen Space Marine Codex zum Meta definierenden Faktor. Anstatt nur die „failed tohit rolls“ zu wiederholen, durften alle Space Marines mit Geschmacksrichtung Vanille jetzt jegliche Trefferwürfe wiederholen. Da die Grundregeln der 8. Edition vorschreiben, erst Wiederholungswürfel durchzuführen und dann Modifikatoren für die Würfe anzuwenden, ist der Unterschied von „reroll failed tohit rolls“ und „reroll any tohit rolls“ gravierend. (Auf irgendeinem Notizzettel hatte ich auch mal ausgerechnet, wie hoch genau der Unterschied war. Aber das ist eher interessant für einen „Mathhammer“-Artikel.) Gepaart mit der Menge an Schüssen, die viele der Space Marines Auswahlen auf den Tisch bringen, führte dieses Detail dazu, dass Armeen, deren Defensivmechanismus auf Trefferwurf-Modifikatoren beruhte, nicht mehr konkurrenzfähig waren. Tatsächlich gab es kurz nach Erscheinen des Space Marine Codex noch Diskussionen, ob denn das jetzt wirklich so von Games Workshop gemeint sei und wie der „neue“ Wiederholungswurf funktioniere. Für Außenstehende sind solche Details wahrscheinlich nur schwer nachvollziehbar. Für 40k können sie Turnier- und Meta-entscheidend sein.

Ähnliche Details und noch viel offensichtlichere Änderungen werden uns ganz sicher mit der neuen Edition erwarten. Das wird sowohl neue Strategien ermöglichen als auch bestehende Strategien zunichte machen. Vielleicht geben die neue Geländeregeln bestimmten Einheiten eurer Armee völlig neue Optionen. Vielleicht sind Panzer der Astra Militarium mit dem neuen Keyword sehr viel selbstständiger und weniger auf einen „Schirm“ aus Guardmen angewiesen. Vielleicht führen Explosionswaffen dazu, dass der Beschussoutput gegen Massen an Orkboyz, Genestealer Cult Infanteristen oder Tyraniden Ganten trotz aufaddierter Auren und Verstärkungen nicht mehr die kritischen Nehmerqualitäten besitzen.

Von Florian

Ist es also doch Zeitverschwendung mit (bald) alten Regeln zu spielen und sich auf Turniere vorzubereiten die noch mehrere Monate entfernt liegen? Wenn jedes Detail zählt, wieso soll ich mir dann auch nur eine Synergie, die Dynamik eines MatchUps oder gar ein Datasheet aneignen?

Fazit: Veränderung als Konstante

Wenn man lange kompetitives 40k spielt, dann lernt man mit der Zeit immer besser mit den ständigen Veränderungen der Regeln und der Turnierbedingungen umzugehen. Das heißt einerseits, dass es weniger Aufwand kostet, die neuen Turnierbedingungen zu verinnerlichen und sich in ihnen zurecht zu finden. Das zeigt sich zum Beispiel in effektivem Training, dem Wissen wo man die nötigen Ressourcen findet und in einer schnellen Auffassungsgabe. Das heißt andererseits, dass man am Spieltisch, wenn es darauf ankommt, auf neue und unvorhergesehene Bedingungen kompetent reagieren kann. Das zeigt sich zum Beispiel schon darin, der anderen Person am Tisch die richtigen Fragen zu ihrer Armeeliste zu stellen. Viele erfolgreiche Spieler spielen außerdem oft Armeelisten, die nicht darauf angewiesen sind, nur in einem ganz bestimmten Meta zu bestehen. Wenn man Tisch identifizieren kann, was bei gegebenen Armeelisten, der Mission und dem Gelände auf dem Tisch die genauen Siegesbedingungen sind, dann ist man nicht davon abhängig, dass man ein „gutes MatchUp“ oder eine „Toptier Armee“ hat. Nicht ohne Grund haben es vereinzelte Spieler in Deutschland geschafft mit nur einem einzigen Turnier sich ins TabletopMasters Saisonfinale, dem höchsten Wettbewerb im deutschsprachigen Raum, zu spielen und dort auch noch den ersten (Simon „Braindead“, 2018) bzw. den zweiten Platz (Jannik „greensword“, 2016) zu erlangen. Wenn man sich mit einer kompitiven Einstellung mit 40k beschäftigt, trainiert um mit jedem Spiel besser zu werden und auf dem Turnier um jeden Punkt kämpft, dann ist davon keine einzige Sekunde verschwendet – egal ob nach Regeln der 8. oder 9. Edition.

In diesem Sinne: Fröhliches Zocken!

Fred „derfred“

Ein Gedanke zu „Was tun bis zur 9. Edition?

  1. Pingback:Adeptus Mechanicus im Psychic Awakening Regelupdate – Breaking Heads

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